KONZEPT
In André Malraux’ 1933 erschienenem Roman «La condition humaine», der während der Arbeiterrevolte gegen
die Kuomintang-Armee in Shanghai spielt, werden Absurdität und Einsamkeit als dem Menschen ureigene Lebensbedingungen beschrieben. Statt diese aber nur als eine subjektive Erfahrung zu schildern, führt Malraux mit der «fraternité» eine Möglichkeit ein, durch die Liebe und den Gemeinsinn eine kollektive Überwindung des einzelnen Dramas erreichen zu können.
Was den Kunsträuber, Widerstandskämpfer in der Résistence und im spanischen Bürgerkrieg und späteren Staatsmann unter de Gaule André Malraux als Humanist auszeichnete, lässt sich in seinem zuversichtlichen Statement zusammenfassen:
ni vrai, ni faux, mais vecu (weder wahr, noch falsch, aber gelebt).
Gleicht man diese vorexistentialistische, humanistische Geisteshaltung mit der heutigen Realität ab, so gerät jene leicht ins Wanken.
Gerade in der bildenden Kunst werden seit mehr wie 30 Jahren die Unvereinbarkeit der verschiedenen
menschlichen Wünsche (Pluralismus), sei es in Beziehungen, sei es in der Politik in Szenen und Bilder umgesetzt. Bruce Nauman war es dann auch,
der als Leitmotiv in seiner Arbeit die Enttäuschung über die human condition, über die Unmöglichkeit des gegenseitigen Verstehens
und des Schmerzbereitens, äußerte.
Die Ausstellungsreihe «Conditio Humana» befragt künstlerische Positionen,
die sich auf ganz unterschiedliche Weise dem Thema annähern. Während die einen die Groteske als einen Normalzustand beschreiben,
hinterleuchten andere sie mit besorgtem Leidensdruck oder widerstehen ihr mit nihilstischer Zerstrümmerung.
Die Frage,
die uns mit dem Titel der letzten Ausstellung von «Conditio Humana» gestellt wird, lässt sich nur vielleicht beantworten:
Leben wir wirklich in einer «Brave New World»?
KUNSTKAMMER
Die vier Ausstellungen finden in der «Kunstkammer», einem Kunstraum inmitten der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer statt.
Die AZB hat sich als Künstlerinitiative anfangs der 80er Jahren gebildet und trägt mit ihrem Ausstellungsraum seit 2005 zum kulturellen Leben
der Stadt Zürich bei. Die vier Ausstellungen bieten unter anderem auch Gelegenheit für einen Ausflug an diesen peripheren Kunstort
und in die interessante Produktionsstätte skulpturaler und räumlicher Medien.
RIXLÖM «2000 Jahre Nächstenliebe»
Mit dem künstlerischen Beitrag des unter dem Pseudonym Rixlöm laufenden Künstlers, startet der Zyklus
mit einem malerischen und installativen Werk, das nach langer und verdeckter Produktionszeit seit Ende der 90er Jahre erstmals wieder
zum Vorschein kommt. Der als Mitinitiator des Zürcher Kunstraums «Kunsthaus Oerlikon» tätige Künstler beschreibt
in grossen Installationen gefundener Plastikverpackungen, in Fotografien von landschaftlichen Müll-Assemblagen à la Fischli/Weiss
und schließlich in seinen unzähligen neuen kleinformatigen Acrylmalereien eine desillusionierende Welt,
in der das menschliche Subjekt verzweifelt, grotesk und hilflos dem Kollaps entgegenhinkt.
In seiner neusten Serie, die hier unter dem Titel «2000 Jahre Nächstenliebe» gezeigt wird, konzentriert sich Rixlöm konsequent
auf das Motiv des Porträts. Paradoxerweise kommt hier die «fraternité», die Verbrüderung,
welche André Malraux in seinem Buch «la condition humaine» erwähnt, nicht in einem einzigen Bild zur Darstellung.
Die über 80 Einzelporträts beschreiben uns die «Conditio Humana» als Einzelschicksale, welche aber, zur Installation vereint,
den stetigen Versuch zur Kontaktaufnahme visualisieren.
TOP OF THE PAGE
Mit der Unterstützung von: Präsidialdepartement Stadt Zürich,
Kulturfond AZB,
Stiftung Albert und Melanie Ruegg,
Migros Genossenschaftsbund, Ernst und Olga Gubler-Hablützel Stiftung, Ernst Göhner Stiftung |